Anna und die andere Anna

An ei­nem son­ni­gen Mon­tag­na­chmit­tag im Juni mach­te die achtj­äh­ri­ge Anna ei­ne Ent­de­ckung. Sie traf – als sie nach der Schu­le auf dem Heim­weg am Al­ters­zen­trum Acher­hof vor­bei­schlen­de­rte – ei­ne an­de­re Anna.

Aber das wuss­te Anna in dem Mo­ment noch nicht.
Da­rum schön der Rei­he nach, wie es sich ge­hört: Zu­erst be­merk­te Anna, dass die an­de­re Anna ein run­ze­li­ges Ge­sicht, weis­se Haa­re und ei­ne fast durch­sich­ti­ge Haut hat­te. Und dann sah Anna, dass die an­de­re Anna zwi­schen zwei Geh­stö­cken mit Hand­brem­sen und vier Rä­dern sass. So et­was hat­te die Zweit­kläss­le­rin noch nie ge­se­hen.
«Mega», sag­te Anna zur an­de­ren Anna. 
«Hä?», ant­wor­te­te die an­dere Anna. 
«Das coo­le Ding, auf dem sie da sit­zen», prä­zi­sier­te Anna. 
«Du musst et­was lau­ter re­den», mein­te die an­de­re Anna.
So kamen sie ins Ge­spräch.
Anna er­fuhr, dass die an­de­re Anna auch Anna heisst. Dass die an­de­re Anna acht­und­acht­zig Ja­hre alt ist. Zwei Mal ei­ne Acht hin­ter­ein­an­der. Na, so­was! Oder elf Mal äl­ter als Anna. Das ist ziem­lich viel Zeit. Da staun­te Anna. Und dass das Ding, auf dem die an­de­re Anna sass, Rol­la­tor heisst. Und dass die an­de­re Anna schon Ur­gros­smut­ter ist. Also die Mut­ter von der Mut­ter von der Mut­ter. Und dass sie – nach­dem sie ein Weil­chen ge­schwatzt hat­ten – die an­de­re Anna Anna nen­nen und Du sa­gen durf­te. Die an­de­re Anna fand das auch lus­tig, vor al­lem dass ein so jun­ger Mensch wie Anna eben­falls Anna heisst. Wie wun­der­bar. Und dass die bei­den Annas Nach­barn sind. Anna in ei­ner der neu­en Acher­hof-Fa­mi­lien­woh­nun­gen und die an­de­re Anna gleich ge­gen­über im um­ge­bau­ten Al­ter­szen­trum Acher­hof.
Anna und die an­de­re Anna re­de­ten und re­de­ten und re­de­ten… bis die na­he Kir­che sechs Uhr schlug.
«Bis mor­gen», sag­te Anna schnell. 
«Bis mor­gen», sag­te die an­de­re Anna.
Das al­les er­zähl­te Anna ih­ren El­tern dann beim Abend­es­sen. Und noch viel mehr. Zum Bei­spiel, dass die an­de­re Anna von ih­rem Zim­mer­fens­ter im Al­ters­zen­trum aus di­rekt auf ihr, Annas Kin­der­zim­mer­fens­ter, bli­cken kann. Un­glaub­lich!
Vor dem Schla­fen­ge­hen woll­te Anna un­be­dingt noch von ih­rem Fens­ter aus zur an­de­ren Anna hinüber­win­ken. Aber die an­de­re Anna hat­te den Roll­la­den be­reits her­un­ter­ge­las­sen. Scha­de, dach­te Anna, aber die an­de­re Anna ist wohl früh ins Bett ge­gan­gen, weil sie elf Mal äl­ter ist als ich. Das ist wirk­lich waaahn­sin­nig viel Zeit! Da darf man am Abend ru­hig ein biss­chen frü­her mü­de sein…



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